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Leonidas

"Ich preise Dich Vater, Herr des Himmels
und der Erde,weil Du all das den Weisen und
Klugen verborgen, den Unmündigen aber geoffenbart hast.
Ja Vater, so hat es Dir gefallen."(Lk 10,21)


Sie halten mit dem Büchlein "Maria aus der Sicht des Sohnes" Offenbarungen in Händen, die der Schreiberin in der Zeit vom 2.8. bis 29.9.1987 von Gott geschenkt worden sind. Auch der Titel "Maria aus der Sicht des Sohnes" wurde gegeben.

Um der Ursprünglichkeit und getreuen Wiedergabe der Eingebungen willen wurde der heute nicht mehr gebräuchliche Sprachstil bewußt belassen.

Sowohl eine kritische Prüfung des Textes, als auch die nachhaltige Betroffenheit von der Aussage bewogen den Herausgeber zur Veröffentlichung.

So können die Früchte dieser gnadenhaft von oben empfangenen Worte für viele suchende Herzen erfahrbar werden. Die Entscheidung fiel in ernsthafter Abwägung der Chancen und Risiken, die eine derartige Veröffentlichung in unserer Zeit in sich birgt.

Botschaften wie diese bedürfen unserer Antwort. Sie sind für uns eine Einladung, uns der Barmherzigkeit Gottes zu stellen. Der Herr mahnt uns in seiner grenzenlosen Liebe immer wieder zur Umkehr, damit Sünde vergeben und Friede geschenkt werden kann.

Möchte das betrachtende Lesen vielen suchenden Menschen zum Heile werden!

Der Herausgeber


"Maria aus der Sicht des Sohnes" will uns eine willkommene Hilfe sein, das Verhältnis Jesu gegenüber seinem Vater im Himmel und seiner Mutter auf Erden aufzuzeigen. Es will uns helfen, die innige Liebe und Zärtlichkeit, die der Sohn seiner Mutter erwies und die aufopfernde Muttersorge Mariens um den ihr von Gott anvertrauten Sohn tiefer zu erfassen.

Möge dieses Treuebekenntnis Jesu "Ich habe dich geliebt, wie nie ein Kind seine Mutter liebte", auch uns Weisung sein zu zuversichtlichem Vertrauen und dankbarer Liebe zu unserer himmlischen Mutter Maria.

Dezember 1987 Johannes Seifert
Stud. Dir. i. R.


"Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. " (Lkl,46f)

Diesem Jubelruf, den die Mutter des Herrn als Antwort auf das "Selig bist du ... "der Elisabeth anstimmt, schließt sich die Kirche seit 2000 Jahren an. Voll Dankbarkeit preisen wir mit Maria das Erbarmen Gottes. Er hat auf Maria, seine Magd, geschaut, sie aus der Niedrigkeit herausgehoben und die Verheißung an die Väter erfüllt. Die Erwählte wird zum Weg unserer Erwählung.

Der Weg Gottes hinein in die Welt führt über die Kleinen, die Demütigen. In Anerkennung der eigenen Armut sind sie fähig, dem Raum zu geben, dem allein alle Ehre und Anbetung gebührt. So wurde das geschichtliche Ja Mariens zu ihrer Niedrigkeit der Ort, an dem der Allmächtige die Fülle seines Reichtums ausgießt.

Im Vorgriff auf das Jubiläum der Erlösung hat Papst Paul II. der Mutter des Herrn dieses Jahr 1987/88 in besonderer Weise geweiht. Das nun hier vorliegende Büchlein geht den Weg Mariens mit ihrem Sohn und Erlöser nach und regt zur Meditation an. Dankbar stimmt der Sohn das Lied auf die Mutter an. Es ist nach der Art Gottes, den Menschen zu danken, wenn sie aus einem liebend hörenden Herzen vertrauend Antwort geben.

Maria hat empfangen, weil sie geglaubt hat. So geht sie fürsorgend an der Seite des Erlösers. Sie läßt sich ein auf das Leben, das der Sohn sich aufgebürdet hat. Immer wieder könnte man in den Weg Mariens die Ursache der Seligpreisung einfügen: "weil du geglaubt hast".

Wie der Weg der Mutter des Herrn sich in äußerer Schlichtheit ereignet hat, so findet man in dieser Betrachtung eine wahrhaftige Schlichtheit wieder, die freudig betroffen macht. Wer mit gläubigem Herzen diese Stationen verfolgt, dem tut sich etwas auf von einer erhabenen Klarheit und Würde menschlichen Lebens, das in allem den Willen des Vaters sucht. Die Grenzen des Geheimnisses von Menschwerdung, Tod und Auferstehung bleiben. Und doch werden wir tiefer eingeführt in das Schauendürfen der in Liebe Annehmenden.

Ich wünsche dem Leser die Freude, wie sie mir durch dieses Büchlein geschenkt wurde.

Im Advent 1987 Johannes Lang
Pfarrer



Begrüßung

Mein ist sie, die Mutter aller.

Ich habe sie hochgestellt über alle Güter dieser Erde.

Aus dem Schoß der Dienerin (Anna) hast du dir den Weg bereitet, geebnet den Pfad, der dein Leben bedeutete, geformt deinen Lebenswillen, deine Lebenshaltung, dein Lebenslicht, aufdaß es zum Wegweiser würde für eine Ewigkeit.

Ja, so wurdest du Mir Lebensodem, du wurdest Mir Lebensqualität und du wurdest Mir Lebensverheißung.

O Mutter, ich danke dir von Anbeginn, daß du dein Leben verschenktest für Mich, für alle, für eine Zeitlosigkeit.

Nimm zum Anbeginn Meinen Dank, Meine Liebe und Meine Ehrfurcht entgegen und wisse: Ich habe dich geliebt, wie nie ein Kind seine Mutter liebte.

Ich umarme dich, grüße dich als dein dich liebender, glücklicher, dienender Sohn.







Sie ist die Krone über allem Geschöpflichen. Vom Vater her wurde sie erwählt. Er hat sie gedacht, geliebt, gewogen und geprüft. Seinem Ratschluß nach wurde sie für rein befunden.

Mit allumhüllender Gnade hat Er sie ausgestattet.

Nichts sollte an ihr Fehl oder Mangel sein. So wurde sie vorbereitet von Anbeginn.

Mein Wille war es nur, dem Willen des Vaters Untertan zu sein.

Ich nahm sie als Meine Mutter an.

Ich war bereit, durch sie den Weg zu gehen, den der Vater erwogen hatte.

Ich war bereit, Mensch zu werden und mit ihr den Weg durch Mein Leben zu gehen, eines Geistes, eines Herzens, eines Gedankens.

So kam die Zeit und sie wurde in den Schoß ihrer Mutter Anna gelegt. Hier schon erlebte sie die Enge und Begrenztheit ihrer menschlichen Natur, erfuhr aber bereits den Strahl der göttlichen Liebe des Vaters. Sie erlebte in der Begrenztheit die Fülle des Seins.

Ihr Wesen war hier schon Licht, Freude, Liebe, uneingeschränkt rein und klar. So wurde sie dieser Welt als makellos reines Geschöpf geschenkt.

Im Arm ihrer Mutter Anna erlebte sie warme teilende Liebe, erlebte sie Geborgenheit und Umhütetsein, erlebte sie eine große Arglosigkeit vor dieser Welt.

So wurde ihr Herz weit für die Reinheit und Schönheit. Überall forschte sie nach dem Licht des Friedens. Sie trug ihn von Kindestagen an im Herzen und schenkte ihn weiter an jeden, der ihn annehmen wollte.

So war sie in Kindheitstagen stets der ruhende, lichtspendende Pol, der allen Mißmut und Zwiespalt aufsog und in Vollkommenheit umwandelte.

Sie war eine reine Blüte, voll von Schönheit für alle, die offene Augen hatten. Doch wie oft wurde sie hier bereits nicht verstanden, wie oft wurde sie belächelt als weltfremdes Kind, wie oft wurde ihr aus Unverständnis zugesetzt, um sie einzupassen in ihre unruhige und gottferne Umwelt.

Doch sie liebte die Stille, die Zurückgezogenheit, die Einsamkeit. Hier eröffnete sie sich Mir und schenkte ihr Herz ihrem Gott.

Für alle Ewigkeit bot sie sich als bescheidene Magd an.

Wie gerne nahm der Vater diese Hingabe in Freiheit an. Sie war das Geschenk, das Er erhoffte.

So wurde sie als Braut dem jungen Josaphat gegeben. In Keuschheit sahen sie sich und vollzogen des Tages Arbeit wie immer. Doch sie gehörte mehr ihrem Gott, als ihm.



Dann, als die Zeit beim Vater erfüllt war, sandte Er den Freudenkelch durch einen seiner liebsten Boten hinab zu ihr.

Inmitten der inneren Beschauung traf er sie. Sein Licht erstrahlte, seine Schönheit glänzte, seine Botschaft war überirdisch. Maria - erschrocken, ehrfurchtsvoll - harrte in Stille.

Die Botschaft traf sie mächtig: ... Du sollst die Mutter des Sohnes werden, den der Vater zur Rettung der Menschheit auf diese Erde schickt.

Du sollst Ihm Heimat und Geborgenheit anbieten und dein Leben nur in Seinen Dienst stellen bis an das Ende deiner Zeit...

Maria gedachte ihres Bräutigams, gedachte des menschlichen natürlichen Weges, um ein Kind zu erhalten - und sie fragte:

... Wie soll das geschehen, da ich noch keinen Mann erkenne?

... Der Gott der Fülle, der Hl. Geist wird über dich kommen und dich begnadigen. Er wird dir Weg und Weisung sein ... Und ihre Antwort war wie ihr Leben: ...Ich bin nur eine kleine, demütige Dienerin Meines Gottes. Was sein Wille, das soll geschehen.



Umschlösse! vom mütterlichen Schoße, spürte Ich erstmals die Enge und Begrenztheit des menschliche »Lebens.

Wäre nicht die liebevolle, zarte Sorge und Einfühlung Meiner Mutter gewesen, Ich hätte in Meiner Gottheit gelitten. Doch so umgab sie Mich mit himmlischem Tau, erzählte Mir hingebungsvoll Ihre Beziehung zum Vater, schenkte Mir Freude Friede, Glückseligkeit in Meinem Wachstum.

Alle ihre Wege ging Ich segnend mit. Alle Begegnungen mit Menschen, die sie traf, umgab Ich mit Gnade und Segen. Wo sie auch ging und weilte, ein gewaltiger Strom von Gnade und Licht flöß aus Mir über sie in die Welt. Viele erkannten die Besonderheit ihres Wesens. Viele standen unverständig vor so viel Einfachheit. Viele wischten mürrisch ihr Dasein hinweg.

Selig die, je das Licht erkannten und annahmen, die mit Gegenliebe antworteten auf ihr Liebesangebot, die die Freude teilten mit ihrem Herzen. Selig bist du, o Mensch, der du auch heute noch ihre Liebe, Sorge, Hilfe und Treue annimmst. Denn heute, wie zu allen Zeiten, teilt sie die Gnaden und Geschenke der Ewigkeit aus.



So verging die Zeit, die Monate eilten dahin. Täglich wurden unsere Zwiegespräche länger, intensiver und ein Strahl der Liebe und Harmonie ging von einem über auf den anderen. So eilte sie zurück von Elisabeth und wir beide segneten die Menschen und die Natur. Überall ließen wir Gnade und Frieden zurück.

Josef harrte bereits ihrer. Er, der einst so sehr enttäuscht war, da er den Plan des Vaters nicht verstand, er wollte seine Braut in Stille und traurigen Herzens entlassen, bis ihn das Wort des Engels traf und er Gnade der Erkenntnis in Fülle erhielt.

Von da an verzichtete er auf sich selbst, sein Leben, sein Ziel -.

Er stellte sich ganz in den Schatten Meines Hierseins.

Er unterwarf sich Meiner Gottheit. Er trat nie hervor, erstrebte nie eigenmächtig ein Gut, dachte nie eigene Gedanken. Er übergab sich ganz und wurde aufgesogen vom Geist, der da in ihm gegenwärtig wurde, ihn allein führte, leitete, regierte. So verlief sein Leben bis zum Ende in Meiner Allmacht.

Ja, Josef harrte seiner Braut und sie machten sich auf in der hohen Zeit um dahinzuwandern nach Bethlehem.

Mein erster Gang - Bethlehem, Mein letzter Gang - Jerusalem.




Wie liebte Ich sie auf diesem schweren Gang! Behutsam, zärtlich, trotz ihrer Schwerfälligkeit schleppte sie sich dahin.

Alle ihre Beschwerden, alle ihre Schmerzen, alle ihre ängstlichen Gedanken legte sie frohen Mutes in die Waagschale des Vaters und setzte dagegen ihr Bereitsein für den Willen von oben.

So kamen sie ans Ziel. Groß war ihre Hilfsbedürftigkeit, groß war ihre Geduld, groß war ihre Ergebenheit.

Abgewiesen - , von Tor zu Tor eilend! Wie litt sie, da sie wußte, daß sie den Herrn der Welt, den Schöpfer der Erde abgewiesen -, obwohl alles sein eigen war.

Wie tröstete sie Mich, bat Mich um Vergebung für den Unverstand der Menschen, wie flehte sie um Einsicht für ihre Umgebung!

Sie nahmen die letzte Möglichkeit an, die Höhle der vernunftlosen Schöpfung. Josef, besorgt um sie, selbst ergriffen vom Schmerz ob solcher Not, ließ sie ruhen und säuberte die entlegenste Ecke, um abgeschirmt zu sein bei der nahenden schweren Stunde. Mit all seiner Liebe bereitete er das Lager, verstellte den Blick mit Hindernissen und Geräten. Nun holte er sie und bedeckte sie mit seinem weiten Mantel. Ein Wohlgefühl der Ruhe und Geborgenheit erfaßte beide.

Sie versanken mit ihrem Geiste im Meer der Liebe Gottes.

So durchlebten sie die nächsten Stunden, nicht gewärtig der Betrübnis ihrer Lage.







Und da der neue Tag begann, erblickte der Menschensohn auf dem natürlichen Weg des Menschwerdens das Licht dieser beladenen Erde. Ein Schein der Glorie durchdrang die Gegenwart, ließ die Natur vor Freude erbeben, erhellte die Nacht zum ewigen Tage. Gott, der Vater entließ Mich nun in die völlige Seinsebene des Menschen. Ich wurde einer von euch - ganz und gar -, außer der Sünde.

Ich wurde so wie du, mit all deinen Gefühlen der Freude, des Schmerzes, der Unsicherheit und Einsamkeit.

Ich wurde hilflos geboren in Not und Kälte, in Sorge und Einfachheit, in Glück und großem seelischen Reichtum.

Wie nahm ich wahr die Erde, wie nahm ich wahr die Atmosphäre des Stalles, wie erfreuten Mich die Tiere, der Wind, die Dunkelheit, der Kerzenschein!

Ich war nun einer von euch: ein Mensch, nicht weit unter die Engel gestellt.

Und Meine Mutter - sie spürte in ihrem Herzen die Größe des Wunders; sie neigte Geist und Sinn in Demut vor Mir.

Sie schenkte sich Mir mit all ihrer Kraft. Ich teilte mit ihr das Lager, die Wärme, die Geborgenheit.

Menschliches Glück wurde uns zuteil, da wir unsere Herzen dem Vater schenkten.







Der Vater wollte, daß Mutter und Kind gehuldigt werde.

So ließ er die Botschaft des Lichtes verkünden und sie kamen, sie, die Einfachen, Armen, Ebenbürtigen, die nicht wußten: 'wo lege ich heute mein Haupt zum Schlafe hin, wo wird mir die nächste Mahlzeit zufließen, wie werde ich Sorge tragen können für meine mir Anvertrauten?'

Ja, sie kamen in all ihrer Demut. Und, obwohl sie nichts hatten, brachten sie Geschenke.

Meine Mutter - überrascht ob deren Wissen -lauschte begierig ihrer Kunde und nahm ihre Liebe mit großem Dank entgegen. Sie war erfüllt von übergroßer Freude, da Er dieses Wunder verkünden ließ der dunklen, sehnsuchtsvollen Welt, die seufzte nach dem, der die große Wende bringen sollte.

So verging die Zeit. Wir zogen in eine winzige Hütte ein, die jedoch mit Liebe bereitet war. Hier lebten wir in tiefer Einheit und nahmen jeden Strahl dankbar an, den der Vater in Güte uns schenkte.

Mein war diese Zeit und die Meiner Mutter. In innigster Liebe waren wir uns zugetan. Sie sorgte in Stille, großer Einfachheit, doch den Himmel im Auge, auf der Zunge, im Herzen. Ein übervoller Lebensstrom ergoß sich von ihr auf Mich.

Doch trug sie bereits ein schweres, tiefes Erlebnis im Grunde ihrer Seele: die Worte der Weisheit von Simeon und Hanna - damals im Tempel.

Sie wußte schon heute, schaute sie in ihr Innerstes, um all die Sorgen, Ängste, Leiden, Schmerzen, die auf sie warteten.

Und deshalb vergaß sie nie - täglich - all ihr Sehnen zurückzustellen und die große Gnade der Demut zu erbitten. Denn sie wußte, daß sie nur so diesen Weg Gottes gehen könne. So nahm sie sich mehr und mehr zurück, um allein Ihm, dem Geist, Raum zu schenken.



Es gingen täglich viele Menschen durch unsere Tür ein und aus.

Sie alle waren magnetisch angezogen von der Fülle des Lichtes, dem Reichtum ihrer Worte, der Hilfe ihres Rates und dem tiefen Mitleiden in ihrer Seele.

Sie erstrahlte in Stille, in Kleinheit und wurde den Menschen, die ihr begegneten, ein unvergeßliches Kleinod der Liebe.

Alle hielten inne, alle wurden still, alle lauschten ihrer Weisheit.

Immer stand unsere Tür offen; eintreten durfte, wer wollte.

Jeder ging reich beschenkt von dannen.







So verging weit über ein Jahr. Die Sonne verlor ein wenig ihre Kraft; da versammelte sich eine große Schar von Menschen vor unserem Heim. Viele aus der nächsten Umgebung, Freunde, Bekannte, Nachbarn und - Freunde anderer Hautfarbe in heute zerschlissener, einst üppiger Kleidung, mit ihrem spärlichen Anhang von Mensch und Tier.

Sie kamen, feurigen Auges, erwartender Haltung, doch müden Schrittes. Meine Mutter gewährte ihnen Ruhe und Mahlzeit, schenkte reichlich Wasser für Mensch und Tier.

Und ganz allmählich erfuhren wir von ihrem Werdegang, ihrer Sehnsucht, ihrer Reife, ihrem Opfergang her zu uns. Sie waren die ersten aus der fremden, fernen Welt, die kamen, gedrängt von Liebe, die ihre Knie beugten, die Geschenke gaben, die ihren Glauben bezeugten. Und so erstand in unserer armseligen Hütte eine weltumspannende Vereinigung mit der Mutter und Mir und ihnen.

Damals bereits wurde Meine Mutter die Mutter aller Menschen, die Sehnsucht hatten nach einem weiten, mütterlichen, in ewige Liebe getauchten Herzen.

Damals nahm sie die stille Schirmherrschaft über das ganze Erdenrund an.

Sie, die Makellose, ließ Ströme der Gnade in sich einfließen und verteilte sie an alle guten Willens.

So gingen sie, die Fremden, in Stille, ebenso wie sie gekommen waren und doch war nichts mehr wie zuvor, denn das Band der Zusammengehörigkeit flöß über das Erdenrund.






Doch schon kurz nach ihrem Fortgang wurde die Atmosphäre kalt, beunruhigend, Dämonen erschienen in Vielzahl und belauerten sich selbst und die Umgebung.

In angemessener Entfernung vor unserem Wirkungskreis machten sie Halt. Meine Mutter die sie sah, erlebte, fühlte, erflehte bei Tag und Nacht die Hilfe der guten Geister, erflehte Schutz und Schirm und die besondere Nähe des Vaters und des Geistes. Der Vater gewährte ihr alles.

So erschien Josef in der Dämmerung der Nacht einer der großen Schutzgeister und rief zur Eile auf, zum Weggehen, zum Verlassen dieser so lieb gewordenen Stätte.

Josef berichtete alles Maria, die in ihrem Herzen bereits das neue Geschehen erahnte.

Und so brachen wir auf in der Frühe des Morgens, beladen mit geringster Habe und ließen Bethlehem, Meine Geburtsstätte für immer hinter uns.

Maria gab ihre Kümmernisse weiter an Josef. Sie wandte sich nochmals lange um und bat um Gnade, um Trost, um Heilung und Vergebung für all das, was an diesem Tage noch diesen Ort traf und zeichnete - hin in alle kommenden Zeiten.

Aus der Ferne noch vernahm die Mutter das Wehklagen der Erde, das Sterben des Lebens, das Zerschmettern so vieler junger Mutterliebe.

O wäret ihr nie geboren!

O hätte nie der eine Mensch (Herodes) sich so tief eingelassen mit den Dämonen dieser Zeit! Nichts war ihm heilig, nur sein Wille, sein Vorteil.

So nagt an dir selbst bereits der Wurm des Vergehens, die Angst treibt den Schweiß dir auf, deine Macht mußt du bereits erproben an unschuldigem jungen Blute.

Wehe dir, wenn du vor dem Richterspruch, den du dir selbst stellen mußt, erzittern wirst!





Betrübt im Herzen, einsilbig, ängstlich um das Kind besorgt, so eilten sie davon. Maria saß auf dem alten Huftier, einen weiten Mantel um Mich, das Kind, gelegt. Körbe und Taschen und ein großer Sack waren dem Tier noch aufgebunden.

Josef hielt den Strick kurz und leitete die Schritte des Tieres behutsam über alle Unebenheiten. So schlichen wir uns davon, wissend, daß Mein Tod befohlen worden war. Zum ersten Mal - Mein Tod! Bis in die Abendstunden wanderten wir. Dann suchten wir Ruhe und Schutz in der Nische eines Hügels. Sträucher und Bäume verdeckten den Blick. Mit zagendem Herzen hielten wir Rast, in aller Stille, wissend, daß wir unser Leben nur dem Schutz des Höchsten zu verdanken hatten. Meine Mutter und Josef hielten viele Stunden der Nacht Zwiesprache mit dem Vater und dankten für die Rettung.

Zugleich bedrückte sie das Unglück, dieser furchtbare Mord an so vielem unschuldigen Blute, sehr.

So wanderten wir von jetzt an gemächlich weiter, gönnten uns und dem Tier Ruhe. Menschen, denen wir begegneten, zeigten ihr warmes, mitfühlendes Herz, schenkten uns Nahrung und Wasser, sorgten für Mich in Meiner bedrängten Lage.

Wir lebten von der Hand in den Mund, übergaben dem Vater unsere Not und Er deckte uns stets den Tisch, schenkte ein Lager für die Nacht und sorgende Hände für Kind und Tier. Wir lebten in äußerster Einfachheit, doch nie in wirklicher Not.

Den Seinen deckt der Vater immer den Tisch des Lebens.

So glaube auch du daran:

überläßt du alles dem Vater, so leidest du nie Mangel, stets wird dein Herz erquickt mit der Freude der Ewigkeit.

Nach vielen Tagreisen in glühender Hitze und Nachtmärschen in empfindlicher Kühle betraten wir das Land, das uns der Engel verkündet hatte. Hier herrschte Sicherheit für unser Leben.





Mit dem Leben am Rande des Städtchens Eschata, ganz am äußersten Rande der Wüste, begann es sehr seltsam nach dem Ratschluß des Vaters:

Eine alte Frau, gekleidet in ein völlig schwarzes Gewand, kam uns entgegen. Sie sah die Müdigkeit und Hinfälligkeit Mariens und des Kindes. Sie bat uns zu sich, gab uns eine erquickende Stärkung und bot uns ihr altes verlassenes Häuschen an.

Wieder war ein winziges Haus, gebaut aus Steinen und Lehm, unsere Heimat. Vieles mangelte ihm, doch wir nahmen, dem Willen des Vaters entsprechend, gern an.

Hier waren wir also in guten Händen, aufgehoben bei ebenso armen Menschen, wie wir es waren. Doch auch sie besaßen ein weites, mitfühlendes Herz.

Maria vollbrachte Wunder über Wunder mit dem Geschick ihrer Hände. Bald war der Boden reichlich bedeckt mit Matten, gewebt aus Gräsern und Blättern. Unsere Schlaf statten waren wohlig warm, geschüttet aus kleingehackten Ästen, Zweigen, Blättern, Gras und Flechten.

Und Josef, dank seines Berufes, fertigte nützliche Geräte.

So waren wir ausgerüstet für alle Bedürfnisse. Maria sorgte für unser tägliches Leben, Josef bot seine Arbeit an, die immer gern angenommen wurde. So lebten wir uns bald in der neuen Umgebung ein. Wir waren treu dem Willen des Vaters.

So blieben wir all die Jahre und Monate unserer Zeit in Ägypten bei Chaleb und Mera. Dieses alte Ehepaar besaß mehrere Kinder, doch alle waren fort, da die Stadt mit ihren Arbeitsangeboten mehr brachte, als das karge, nur Not bringende Leben am Rande der Wüste. So durfte ich in großer Obhut von diesen vier Menschen, die all ihr Leben nun auf Mich, den Mittelpunkt konzentrierten, leben. Josef war öfters weg und bot seine Fähigkeiten an. Bald schon kamen die Menschen zu uns, forderten seine Hilfe und gaben einen geringen, doch ehrlichen Lohn. So war unsere Existenz stets gesichert in schlichten Verhältnissen. Wir waren sehr zufriedene, glückliche, liebende Menschen, die viel Zeit hatten für den Vater, die Mitmenschen und alle, die uns brauchten. Es war eine stille, doch so reiche, so heilsame Zeit für uns alle, - ohne äußere Beschwerden und Sorgen.

Vater, Ich danke Dir für diese Gnadenzeit, denn hier sammelten wir die Kräfte für unsere Zukunft.

Denke Ich zurück, so empfinde Ich noch die kühlen Abende jener Zeit.

Glutrot und gewaltig und schnell ging der rote Ball der Sonne unter und die Natur erholte sich rasch von der übergroßen Hitze des Tages. Wir saßen alle im Freien vor der Hütte, beteten gemeinsam und sprachen miteinander. In Krankheit, Schmerz und auch seelischer Not legte Maria den Menschen, die Zuflucht bei uns suchten, die Hände auf und erflehte den Segen und auch die Heilung von oben. So ging jeder getröstet, gestärkt oder geheilt wieder von dannen.

Viel Zeit verbrachte Ich in der Zweisamkeit mit meiner Mutter.

Sie erzählte Mir immer wieder alle Wegweisungen und Führungen in ihrem Leben. Nie genug konnte sie den Vater loben, ehren und preisen.

Nie genug fand sie Worte, um die Schöpferkraft, die unzähligen Wunder und Geschehnisse in der Natur zu bestaunen.

Nie genug durchschaute sie das wunderbare Walten des Vaters im Geschick der Menschen. Ja, Maria war immer eine unbeirrbare Kennerin der Wege des Vaters.

War auch einmal eine Lage ganz verworren, unverständlich, unübersehbar, - sie fand immer das Licht, den Weg, den rechten Schritt auf der Bahn zum Vater. Für sie gab es nie nur Dunkelheit, nur Ausweglosigkeit.

Nein, ihr Herz durchdrang die schwärzesten Wolken, die finstersten Pfade, die dunkelste Nacht, ... immer hin zu neuem Leben.

Auch erinnere Ich Mich Meiner eigenen Stille: Ich lebte zurückgezogen, saß am kleinen Hügel unter den schattenspendenden Sträuchern und erfragte vom Vater das Wissen für Meine Zeit... Immer war Er gegenwärtig in Meinem Leben und Er befruchtete täglich unsere Familiengemeinschaft.

So lebten wir auf's intensivste vereint mit Seinen Gedanken.

Schnell vergingen die Monate und Jahre der Isolierung bis die Kunde durch den Engel kam, der uns den Tod des Königs ansagte und uns die Rückkehr, hinein in unser Volk, befahl.

So nahmen wir Abschied von Menschen, mit denen wir unser Leben geteilt hatten, von Tieren, die uns zu Diensten waren, je nach unseren Bedürfnissen, von Baum und Strauch, Hof und Haus, Landschaft und Volk.

Vater, Dein Segen ruhte hier auf allem. Danke!






So kehrten wir heim in unser Land, zu unserem Volk, suchten erneut nach einem neuen Zuhause.

Josef war ängstlich, zurück nach Bethlehem, auf die fluchbeladene Erde zu gehen, in die Nähe des neuen Tyrannen, mit gleichem Namen, aus gleicher Verwandtschaft. Vieles bei ihm deutete auf die gleiche Haltung hin, die der Vorgänger hatte.

So zogen wir in die entferntere Gegend von Jerusalem.

Nazareth sollte unser Zuhause werden. Ein Engel führte uns den Weg.

Wir sahen die Stadt aus der Ferne und Licht erstrahlte über ihr. Weit zogen wir durch die Straßen und Gassen bis fast zum anderen Ende. Ein verkrüppeltes Mädchen saß am Rande der Straße.

Maria hielt inne, redete mit ihm und segnete es. Das Mädchen sprach: "Geht zu meiner Mutter in unser Haus. Sie wird euch helfen." Josef eilte voraus, klopfte bescheiden und erbat Rat dahingehend, wo wir eine momentane Zufluchtstätte finden könnten. Maria hielt Mich am Arm, trat hinzu und lächelte. Ihr Lächeln verwandelte das Herz der Frau und sie führte uns zum nahen Feld. Hier stand eine baufällige Hütte aus Matten, Stroh, Zweigen und Blättern. Josef nahm sofort an und wir wußten, wo wir Schutz fanden vor Hitze und Kälte. Wir halfen alle drei zusammen, reinigten und fegten. Josef zerrte die Matten zusammen, besserte das Dach aus, verringerte die Fugen und suchte neue Palmzweige, Äste und dürres Gras. Zusammen ergab es ein festes Dach, sichere Seitenwände.

Maria richtete wie immer mit Liebe ein und bald saßen wir beim ersten gemeinsamen Mahl. Nachbarn kamen aus Neugierde, manche aber auch, um Hilfe zu leisten. Sie erkannten unsere Bescheidenheit und unsere Zugehörigkeit zu ihrer eigenen Armut. So teilten sie gerne, was sie entbehren konnten, mit uns. Als die Zeit fortschritt, erstrebten Maria und Josef ein eigenes Häuschen. Sie erhielten, auf das gütige Wort eines reichen Bekannten hin, ein Stück Acker, draußen abseits der übrigen Häuser.

Hier begannen wir mit geliehenen Formen selbst Steine zu gießen, zu trocknen und schon bald entstand ein Grundriß, ein sichtbares Werden der Mauern.

Josef zeigte viel Phantasie, baute an der Vorderseite eine breite Tür, ein Fenster und am Eck einen Backofen mit an. Das Innere teilte er durch eine Mauer in Schlaf statte und Lebensraum ab. Im Laufe der Zeit nutzte Josef jede Ecke und bastelte, zimmerte Kisten, Regale, Hocker und Stühle, einen großen festen Tisch, eine Bank an zwei Seiten des Raumes und eine Feuerstätte. Immer liebten wir unser neues, selbst erarbeitetes Heim. Schon bald rankten vor dem Hause viele bunte herrliche Blumen. Aber auch der dazugehörige Acker trug stets den Ertrag, der für unser Leben notwendig war. Durch die Liebe der Mutter und ihren emsigen Fleiß hatten wir so viel, daß stets jeder Arme, der bei uns anklopfte, auch gesättigt von uns fortging -

Ich wurde größer, älter, kräftiger und half Vater wie Mutter beim täglichen Ablauf der Arbeit. Mit viel Liebe und Interesse lernte Ich die ersten Einblicke in die Arbeit des Vaters kennen. Auch durfte ich ihn bei seinen Arbeiten zu den Menschen, die ihn anforderten, begleiten. Gemeinsam waren wir bekannt und geachtet. Keiner im weiten Umkreis fertigte Holz- und Flechtarbeiten so sauber an wie Josef. Mein Dabeisein wurde stets gerne gesehen, da Ich viele Handgriffe erledigen konnte und somit die Arbeit rascher voranschritt.

Da Ich immer mehr zunahm an Alter und Verständnis, wurde Maria immer mehr und deutlicher und eindringlicher Meine Lehrerin. Sie führte Mich immer tiefer in die Geheimnisse des Vaters ein, erklärte Mir die Weisheit unserer Lehrbücher, der Schriftrollen, der Satzungen, die genaue Einführung in alle Gebote und Verbote im Ablauf unseres täglichen Lebens. Darüber hinaus aber lernte Ich viele Geheimnisse der Natur kennen, bei Pflanzen wie Tieren, viele Geheimnisse und Gesetze der verschiedenen Zeitabläufe im Werden und Vergehen des Jahres, viele Geheimnisse im Werden und Vergehen des menschlichen Lebens. In besonders lauen, klaren Nächten erklärte Mir Josef die Vielfalt des Himmels, die Sterne und Bilder, die in unermeßlicher Weise die Herrlichkeit des Vaters priesen.

In beiden fand Ich Lehrmeister von außergewöhnlichem Wissen, von großer Tiefe und reicher Kenntnis.

Wie sie ihr Wissen an Mich weitergaben, so zeugten sie stets durch ihr Vorbild für Mein Leben. Alle stummen Gesten, Blicke, Taten, Freundlichkeiten, Liebeserweise wirkten ebenso, ja noch viel mehr, belebend und reifend für Mich in diesem ganzen langen Lebensabschnitt. Immer war der Friede unser Gast, die Freude die Begleiterin unserer Tage, die Liebe das beseligende Band hin von einem zum anderen. So trugen wir alle ein Übermaß der Liebe des Vaters im Herzen und teilten unseren Überfluß aus an unsere Welt.





Immer wieder gab es Zeiten, da wurden wir hineingenommen in die große Gemeinschaft unseres Lebenskreises.

Freunde, Bekannte und Verwandte reichten einander die Hände - in Frieden und Freude -, wenn sie bei uns weilten. Viele Stunden saßen wir beisammen vor dem Häuschen oder im Schatten der Bäume und beredeten alle Freuden und Sorgen. Es herrschte stets eine große Offenheit und bei Problemen besonderer Art wurde Maria gebeten, ihren Rat zu erteilen an alle, die sich in Not und Aussichtslosigkeit befanden. In ihrer Bescheidenheit - obwohl sie die Fülle der Weisheit in ihrem Herzen trug - stellte sie Josef an ihre Seite und ließ ihn sprechen zu Hilfe und Trost.

So durchlebten beide stets gemeinsam die eigenen und fremden Schwierigkeiten, erteilten beide, wenn immer es möglich war, gemeinsam den Rat an die Ratlosen, schenkten beide gemeinsam Einblick in ihr eigenes, immer befriedetes Dasein und gaben Zeugnis von der Gnade des Höchsten.

So klangen solche Zusammenkünfte aus im Gebet um den Segen des Vaters. Alle - waren sie sonst auch weit weg vom Herrn - fügten sich ein in die liebende Gemeinschaft mit dem Vater.

Es gab auch viele Einzelbesucher, die verschwiegen die Nähe Meiner Mutter suchten, sich aussprachen und von ihr Liebe, Trost, Zuspruch und Gebet erhielten.

Immer wußte Ich um die Nöte der Beladenen. Immer sandte auch Ich Gebete zum Himmel, auf daß der Vater ihr flehentliches Rufen erhörte. Obwohl getrennt, waren wir doch im Geiste in tiefer Einheit verbunden. Ein Blick, eine Geste ersparte viele Worte.

So seid ihr alle, die ihr schon zu Lebzeiten ihren Schutz anflehtet, getröstet wieder gegangen. Ihr aber, die ihr sie heute anruft, wisset, sie ist erhoben, ihr ist alle Macht gegeben, um beim Vater und Mir die Gnade zu erhalten, die sie erfleht. So ruft sie an, stellt sie in die Mitte eures Lebens, ruft über sie zu Mir und Ich werde dem Drängen Meiner Mutter nie widerstehen können. Ihr könnt keine bessere Fürsprecherin haben als sie!

Gebt ihr die Ehre, die Ich ihr zugedacht habe.




Die Zwiesprache mit dem Vater nahm bei uns einen großen Raum ein.

Immer war Er gegenwärtig, immer leitete Er unser Leben, immer fragten wir zuerst nach Seinem Willen.

Doch es gab Zeiten des Tages, die nur und einzig Ihm gehörten.

In ihnen sprachen wir gemeinsam zu Ihm, gaben unser Leben in Seine Hand, dankten Ihm für das unendlich Gute, das Er uns täglich erwies und lobten Ihn für Seine übergroße Liebe und Güte. Wir fühlten uns stets zutiefst eingebettet in Seine Hand und fürchteten kein Unheil, denn wir waren auf Seinem Wege.

Den meisten Raum schenkten wir Ihm aber im stillen, zurückgezogenen Gebet. Jeder von uns hatte sich bestimmte Zeiten der Einsamkeit erwählt, und da diese Zeiten unter einander verschieden waren, so fügten sie sich oftmals als eine lange Kette der Anbetung zusammen.

Meine Mutter zog sich immer wieder tagsüber zurück und verweilte oft Stunden der Nacht im Gebet.

Dies war ein Gebet, das besonders aus Schweigen bestand, da sie auf die Worte des Vaters lauschte, ein Gebet, das ihre große Zuneigung zum Vater bezeugte, der sie mit einem starken Gefühl der Nähe erwiderte, ein Gebet, das eine tiefe innere Verkettung, ja, ein Einswerden mit dem Vater brachte, von dem Maria sich immer nur schwer lossagte. So war sie entrückt.

Der Vater erhob sie bereits zu Lebzeiten in Seine Sphären und schenkte ihr Gnaden und Kraftströme für die schwersten Zeiten ihres Lebens. Immer erschien sie uns nach solchen Gebetszeiten als strahlend, in sich selbst ruhend und Liebe austeilend.

O Mutter, wie liebte Ich dich in diesen Stunden! Ich danke dir, daß du bereit warst, dich zutiefst, dich ganz und gar hinzugeben und alles anzunehmen, was der Vater sandte. Du bist die Sternenumkränzte. Jeder Stern - ein Opfer, eine Liebe, eine Zuwendung.

Maria war das Fundament unseres Glaubens und Vertrauens.

Jeden zog sie mit hinein in den Sog, den Kanal, der zum Vater führte - ohne Umwege.

So hast du, Maria, das Samenkorn, das der Vater in Liebe in deine Seele pflanzte, tausendfältige Frucht werden lassen!



Jeden Tag klopften arme, kranke, in Not stehende Menschen an unsere Tür. Und für jede Sorge hatte Maria eine besondere Hilfe. Jeden pflegte sie mit solcher Hingabe, so daß am Ende des Besuches der Heilungssuchende bereits die Besserung spürte.

Ob körperliche oder seelische Not, Maria fühlte sich zutiefst ein in den Krankheitsprozeß und schenkte den Segen des Vaters weiter und heilte. Oft ging sie auch während des Tages zu verschiedenen Hütten und brachte Hilfe, wo immer sie wußte, daß Leid verringert werden mußte. Viele Menschen kamen und brachten die Kunde von solchen Leidenden.

Aber zu vielen zog es sie hin, denn sie blickte in ihre Seelen und erkannte die Krankheiten. So ging sie bereits Mir voraus, als Heiler an Leib und Seele.

War sie auch noch so beschäftigt, noch so müde, noch so erschöpft, immer machte sie sich gleich auf den Weg, wenn sie vom Leid erfuhr. Und der Vater segnete all ihre Wege, all ihre Worte, all ihr Flehen. So war sie bereits zu Lebzeiten die Gnadenspendende, die Heilung Spendende, die Fürbitte Leistende ebenso, wie sie es heute noch ist. 






Wie oft kam sie gebeugter heim, als sie gegangen war, wie oft trug sie nun selbst in ihrem Herzen die Schwere des Leides, wie oft übernahm sie - über lange Zeit hin - Krankheit und Not und schenkte so den anderen Linderung. Dies jedoch geschah immer in völliger Stille ohne Wissen und Willen der Kranken. Doch durch ihre Übernahme schenkte sie oft plötzliche Heilung, schnellere Genesung und längere Lebensdauer.

Ihrem Besuch ging immer der Hauch des Wunderbaren voraus und die Gewißheit, daß der Vater Sieger über alle Mängel dieser Welt ist, blieb zurück.

So wußten die Menschen oftmals, daß sie die Vermittlerin zwischen oben und dieser Erde war.

So wisset auch ihr, daß sie heute noch viel mehr vermag in dem, der ihr so innig zur Seite steht und alle Wünsche erfüllt.





Maria ist der gewaltige, mittlere Stützpfeiler einer großen Brücke, reichend von einem Ufer zum anderen, von der diesseitigen Welt hin zum jenseitigen Leben, von den Quellen der Erde hin zu den sprudelnden, klaren Bächen in einer strahlenden Ewigkeit.

Sie verbindet das Jetzt mit dem ewigen Sein, das Kind mit dem Vater, den Sohn mit dem Bruder.

Willst du, o Menschenkind Uns, die Dreieinigkeit finden, so ist der sicherste Weg durch Maria. Sie steht immer wartend auf deinem Weg, reicht dir gern die Hand und führt dich hinauf den sicheren Pfad in die Höhe. Vergiß nie, sie anzurufen, vergiß nie, sie zu deiner Fürsprecherin zu erwählen, vergiß nie, ihr alles zu schenken, damit sie dir das zurückschenkt, was du brauchst. Wie oft weißt du, o Mensch, nicht, an was es dir mangelt, wo du leere Räume besitzt, die gefährdet sind, da hier der Böse schnell und sicher einfallen kann, wo du deine Leere ihr übergeben sollst, damit sie sie fülle mit den Gütern, die dir am meisten mangeln.

So war sie bereits zu Meiner Menschenzeit ein Band, das gespannt war von der Menschheit hier in diesem Tale der Tränen bis dorthin zum Vater, der kommt, umfängt, alle Tränen trocknet und Linderung, Heilung und Leben schenkt. Und so ist sie es immer geblieben für alle, die sie anriefen und noch anrufen, denn der Grad ihrer vermittelnden Einflußnahme wurde der Vollendung zugeführt, da sie von Mir, dem Sohn, aufgenommen wurde in die Sphären des anderen Seins mit Leib und mit Seele.

Hier ist ihr Walten uneingeschränkt für jeden, der mit liebendem Herzen zu ihr ruft.

Mein ist sie, die Mutter aller. Immer verschenkte sie sich selbst, bis zum letzten Ausbluten ihrer selbst, bis sie alle Einflüsterungen vom Vater weitergeschenkt hatte an die Menschen ihrer Zeit, bis sie auch Meine Ratschläge, Meine Winke und Führungen angenommen und ausgeführt hatte bis zur Neige. Dabei war ihr nie ein Weg zu lang, ein Leidenskelch zu bitter, ein Wandern in Dunkelheit und Angst zu schwer.

Ihr Leben lag immer fest gebettet in der Hand des Vaters und nie konnte sie ein Sturm in ihrem Leben gefährden oder sie herausfallen lassen aus dieser Geborgenheit beim Vater.

Dies sei euch allen, die ihr dies lest, eine Hilfe in eurem Leben.

So ist sie heute, besonders in eurer so wankelmütigen, fluchbeladenen Zeit, die einzige Stärke. Sie hält ihre Hände weit ausgebreitet und erringt euch bei Tag und Nacht den Segen, den Frieden, den Hl. Geist, auf daß dieses so verzerrte, blutbeschmierte, widerliche Angesicht der Erde die Heilung erfahre, den Segen erhalte und einen Prozeß des Wandels hin zu Höherem erlebe. Denn nur so kann diese Erde zurückkehren und ins Lot zurückspringen, auf daß sie nicht völlig entgleise in den Wirrnissen der Zeit.





Immer trägt sie mit die Kreuze vieler, vieler Menschen:

jener, die sie anrufen und um Mithilfe flehen, jener, die sie kaum kennen und doch rufen nach Hilfe, jener, die bereits zu schwach sind, um ihren Mund noch aufzutun, ihr Blick und ihr Herz genügen, und sie trägt mit, jener, die sich abwenden und ihrem eigenen Untergang zustreben...

Sie nimmt sich ihrer an, schickt Gedanken, Anstöße, Worte des Lichtes und fleht bei Mir um Erbarmen für jene, die bereits nichts mehr für sich selbst erwirken können ... (die Verstorbenen)

Wieviele Anstöße schickt sie zu den Menschen, daß man ihrer im Gebet gedenkt, daß man durch Opfer, Verzicht und Gottesdienst ihnen hilft, daß man ihnen viel geweihtes Wasser schenkt. Es erhellt ihnen auch die Atmosphäre. Maria tritt unter jedes Kreuz und hilft so, wie mir Simon von Cyrene half.

Doch sie kommt freiwillig und trägt mit viel Liebe, Geduld und Einfühlungsvermögen.

Maria trägt so manches Kreuz eine zeitlang allein, damit der gequälte Mensch wieder sich selbst finden kann.

So übergebt ihr euer Kreuz und seid gewiß, sie ist eine begnadete Kreuzträgerin.






Herausgehoben hat dich der Vater von Anbeginn. Gefesselt an das Kreuz deines Lebens habe ich dich, der Sohn.

Geheiligt durch das große Maß der Gnade habe ich dich, der Hl. Geist.

So bist du über alles Menschliche, Weltliche, Sündhafte erhaben.

Kein Stachel des Fleisches kann dich mehr beunruhigen, keine Versuchung der Dämonenwelt dir mehr Schaden zufügen, keine Boshaftigkeit dieser Welt und ihrer Bewohner dich drängen aus deiner Lebensmitte, die da heißt: Sohn.

So standest du bereits zu Lebzeiten über Engeln und Menschen, dem Vater Untertan. Ein Leben, verzichtend auf eigene Existenz.






Herausgehoben aus dem Irdischen, hineingenommen in Unsere Gemeinschaft der Drei - so hat der Vater es gewollt. So durfte Ich das größte Danke Meiner Mutter sagen, einen Dank für ihre Selbsthingabe, einen Dank für ihre alles umspannende Liebe und Sorge, einen Dank für ihr Dasein, Sosein ... und für ihr Aufgehen in Meiner Menschlichkeit und auch Göttlichkeit.

Dieser Dank fand Ausdruck im Geschenk ihrer Krönung.

Ich, der Sohn, übernahm vom Vater die Krone ihrer Jungfräulichkeit, die Krone ihres Leidens, die Krone ihrer Liebe.

Eine Krone, gestaltet aus dem edelsten Geschmeide, reich mit Steinen verziert und herrlich dunkelroten Saphiren, die niemals eines Menschen Auge gesehen haben.

Das Geschmeide an Gold, Silber und Platin steht für jene, o Mutter, ßr die du gekämpft mit all den Kräften deiner Seele, die dir schließlich aber doch entflohen.

Die vielen kleinen und großen Edelsteine stehen für jene, um die du siegreich gerungen und die du geführt bis zur ewigen Anschauung bei Mir.

Die blutroten Saphire stehen für jene, die dich immer ganz angenommen, die immer die Treue bewahrt und die am Ende ihrer Tage bereits als Gerechte befunden wurden.

Sie bilden die große Schar der Heiligen, die mit dir betet und fleht und den Sohn um Erbarmen anruft, damit Er das beschlossene Strafgericht über diese Erde aufschiebt oder umwandelt.




Über Himmel und Erde habe Ich dich gestellt, Mutter.

Du bist die edelste Blume von allen, die je Mir zur Freude blühte.

Du bist der Granatapfel, der jede Frucht übertrifft an Schönheit und Geschmack. Du bist der Stern aller Sterne, - kein Makel, kein Fehl, - nur Glanz und Leuchten und Funken, die sprühen von dem Licht in deiner Mitte. Du bist die Frau, die Ich umgebe mit einem Meer von Sternen, die Ich kröne mit zahllosen sprühenden Sternen, die Ich selbst erhebe zum Stern der Sterne.

Keiner gleicht dir, keiner kann sich mit dir messen.

So sei gegrüßt, du Umgebene von den Lichtern des Himmels.






Die Zeit in jener kleinen, doch sehr lieblichen und idyllischen Stadt Nazareth hatte für uns sehr viel Geruhsames und Tiefes in sich. Als Ich älter wurde und das Jahr nahte, da Ich zum Tempel mitziehen sollte, um Mein Mannwerden unter Beweis zu stellen, - um angenommen zu sein von der Gemeinde, - um Meine Reife dem Vater gegenüber zu bezeugen, - da nahm Maria sich täglich viel, viel Zeit, um Mich einzuführen in all die Gebote, Verbote, Wegweisungen und besonders in die ganze Geschichte unseres Volkes.

Sie war die Unermüdliche, die im Gebet und im Glauben, im Wort und im Beispiel Mich und Mein Menschsein zutiefst formte. Keine Falte Meiner Seele blieb dem Zufall überlassen.

Überall wurde Ich gestählt in der Vaterbeziehung.

So kam die Zeit Meiner ersten Wallfahrt mit nach Jerusalem.

Ich war innerlich sehr beglückt, so voll Sehnsucht, daß Ich an ihrer Seite kaum Meine Umgebung wahrnahm.

Sie betete über Mich und erflehte den Geist Gottes, so daß Ich total im Gnadenstrahl des Vaters und Geistes ruhte.

In Jerusalem überließ sie Mich Meiner Stille und Zurückgezogenheit mit dem Vater. Sie wußte und spürte Mein Bedürfnis, allein beim Vater sein zu können. So gingen sie, Maria und Josef, getrennt von Mir ihrer Wege.

Am Tage der Heimkehr vertrauten sie auf Meine menschliche Bezogenheit zu ihnen. So war es für Maria nicht vollziehbar, daß Ich ihrer vergessen könnte.

Sie hatte nur dem Menschen in Mir vertraut, der großen Gottbezogenheit, ja Gotteinheit konnte sie jedoch nicht folgen.

So mußte sie die Zeit der Not, der Ungewißheit, des Suchens, ertragen.

Welche Qualen erlitt ihr Herz, welche Stärkung aber auch, gefügig zu sein dem Willen des Vaters.

So nahm sie wieder einmal ihre Trostlosigkeit und Unwissenheit an mit Josef, der sie stark führte und ihr tragen half.

Als sie Mich endlich im Tempel fand unter den Weisen und Ältesten, da jubelte zwar ihr Herz, doch eine große Beklemmung befiel sie, da sie erkannte: 'Meinen Sohn - nein, Seinen Sohn werde ich nie bis ins Tiefste verstehen können!' So durchbohrte sie ein Schwert des Schmerzes, doch der Vater heilte und heiligte die Wunde und ließ sie stärker daraus hervorgehen.

Wir kehrten heim und viele Jahre der Stille und des Gehorsams, der Reife begannen und brachten uns allen Frucht.

Bald wurde Ich zu den Männern Meines Volkes gezählt. Ich war einer von ihnen. Sie verstanden Mich, - Ich ehrte sie. Doch in diesem Verhältnis wurden wir einander fremd, als Meine Zeit des Bekenntnisses begann.






Schon wußte Meine Mutter, daß die Zeit des Abschiedes nahte, daß sie den Sohn freigeben mußte, daß sie keine Rechte mehr hatte, sondern sich nur ein mittragendes, mitleidendes, mitfühlendes Herz bewahren durfte. In wievielen Nächten rang sie sich diese völlige Loslösung ab. Nichts wurde ihr geschenkt. Sie litt, wie jede Mutter auch heute noch leidet, wenn sie ihr Liebstes geben muß. Doch ihre Hingabe war so total, ihre Aufopferung so von Liebe durchtränkt, daß der Friede sehr bald Wohnung in ihr faßte. Wie oft beobachtete sie Mich aus der Ferne, segnete Mich und schenkte Mir all ihre Kraft. Wie oft fragte sie sich: 'Ist dies das letzte Fest, die letzte Zeit, die uns eint - oder ist uns mehr bereitet?'

Wie oft stachen sie erneut die Dornen der Angst ins Herz: 'Was für einen Weg ebnet Ihm der Vater?'

O Mutter, noch lag das Schwere in der Ferne, doch dich belastete die quälende Ungewißheit, da du immer ganz Mensch bliebst und empfandest wie jede Mutter.






So kam der Tag, da Mein himmlischer Vater Meinen irdischen Vater abberief. Schon lange lag er danieder, schwach, krank, hilflos.

Mit viel Liebe hat Maria ihn gepflegt, umgeben, umhütet.

Er nahm all ihre Liebeserweise dankbar an und ließ sich ganz fallen in den Willen des Vaters. Wie oft saß Ich an seinem Lager. Wir fanden zutiefst zueinander in der Stille, im Gespräch, in edler Liebe. Er wurde hinfälliger ...

Sein Rat wurde ernster, seine Weisungen wurden weiser und erfüllter vom Geist der Höhe. Sein Sicheinfügen in den Plan Gottes wurde totaler.

So nahm der Vater seinen Geist in Liebe auf. -Die sterbliche Hülle legten wir in eine Höhle, die uns ein reicher Mann überließ.

So wurde die einstige Dreiheit zur liebevollen Zweiheit.

Maria und Ich, wir gehörten nun noch viel inniger zusammen.

Wir trugen unser ganzes Leben gemeinsam, alle Gedanken, alle Pläne, alle Schau in die Zukunft.

So durchlebten wir unsere geschenkten Tage in ständigem Blick auf den Vater. Wir wußten auch, daß wir durch Josef einen großen Fürsprecher, Helfer, Tröster hatten, der uns mit all seiner Kraft und seinem Segen umgab und schützte.

Wir lebten mit ihm, denn wir empfanden eine tiefe Verbundenheit mit ihm.





Maria spürte immer tiefer, daß Ich Mich nun bald loslösen und Meinen Weg allein, nur dem Vater verantwortlich, gehen mußte. Sie litt -, angstvoll begleitete sie Mein Tun und wußte doch, daß Ich sie schon in naher Zeit allein lassen würde.

Eine lange Nacht des Gebetes durchlebte Ich in der Einheit und Hingabe an den Vater -, dann waren es nur Blicke -, kaum Worte, eine letzte Umarmung - und Ich verließ das Haus. Ich zog Mich zurück in die Einsamkeit der Wüste, der Stille ... sie blieb im Haus. All ihr Leid schenkte sie dem Vater. All ihr Leben gab sie hin für Mich und Meine Zukunft.

All ihre Kraft setzte sie ein für die Menschen, denen sie nun begegnete. Es waren viele.

Sie schenkte alles, was sie besaß: ihre Liebe, ihre Kraft, ihren Rat, ihr Gebet. 





Immer begleitete sie Mein Tun aus der Ferne, da viele zu ihr kamen und von Mir und Meinem Leben wußten. 








O wie gerne kehrte Ich immer wieder ein bei ihr. Sie war stets Meine Zuflucht, sie war stets der Ort, an dem Ich das erhielt, was die Menschen Mir so oft versagten.

Sie war stets die Frau, die alle schweren Ereignisse ins Lot zurückbrachte.

Ich wußte auch, daß Maria wartete. Wie oft mag sie in die Ferne geblickt und den Horizont abgesucht haben.

Besonders schwer war es in der ersten Zeit für sie.

Die lange Absonderung in der Wüste bedeutete für sie völlige Isoliertheit und Unwissenheit um Meinen Werdegang.

So allmählich erkannte sie Meinen Weg, fand sie heraus, daß der Vater Mich in die Öffentlichkeit stellte, um von Mir bezeugt zu werden. Es dauerte nicht lange und Ich trat bei ihr ein in Gemeinschaft mit Meinen engsten Freunden. Alle waren ihr willkommen. Alle liebte sie mit großer Zärtlichkeit. Alle brachten auch ihr eine tiefe innige Liebe entgegen und ehrten sie, wann immer sie konnten. Sie nahm sich all ihrer Sorgen an, all ihrer Angst

wegen der Zurückgelassenen, um die, die ihre Hilfe benötigten, wegen der großen Ungewißheit um deren Zukunft.

Maria verstand, half mit Wort und Herz, brachte aber auch die nahen Angehörigen zum Verstehen und zum Einwilligen. Wie oft bei solcher Einkehr, nahm sie auch Mich zur Seite und breitete vor Mir all das Menschliche aus, das sie erlebte und durchlitt und bat um Hilfe durch Mich von oben. Niemals bat sie vergebens.

So waren diese Treffen kurz oder lang, mit oder ohne viele Worte, - immer traf das mütterliche Herz den empfangsbereiten Sohn. Die Liebe wurde gegenseitig geschenkt, vertieft und vergrößert.

»So, Vater, waren es viele herrliche Stunden der Einheit, die Du uns immer noch gabst. Dank dafür!

Wenn Ich ging, so wußte Ich, daß sie neu in der Zuversicht um Meinen Weg erstrahlte.





Sie wußte es immer, wenn Ich in ihrer Nähe weilte.

So nahm sie gern beschwerliche Märsche und Entbehrungen auf sich, um Mich zu sehen. Ihre Stille und Bescheidenheit ließ sie stets wartend im Hintergrund erscheinen. Und schon die wenigen Worte, die Ich mit ihr teilte, die stummen Blicke und Gesten, sie genügten ihr. Sie wußte um Mein Wohlergehen und um Meinen Werdegang.

Auch bei den Mich umgebenden guten Bekannten und Freunden war sie ein gern gesehener Gast.

Sie brachte immer Kleinigkeiten zu essen mit, sorgte sich schnell um unsere Kleidung und um unser Äußeres.

In Liebe gab sie kleine Ratschläge. Jeder hörte gern auf sie. So still, wie sie kam, so still ging sie wieder.








Doch es gab auch Feste -, da wurde sie mit hineingenommen. Als Meine Mutter, war sie ein Ehrengast. Sie sprach gerne mit all den Geladenen. Ihre Ausstrahlungskraft beeinflußte alle.

So war sie auch bei der Hochzeit von Judith und Absalom in Kana, einem jungen stillen Paar, das uns oftmals auf unseren Wegen begegnet war, mit dem wir viele Gespräche geführt hatten. Maria spürte hier von Anfang an die Unruhe - viele Gäste, kein allzugroßer Reichtum. Als der Wein ausging, trat sie Mir in den Weg, zupfte Mich am Ärmel und sagte: "Sie haben keinen Wein mehr" ... Ich antwortete: "Was soll Ich denn tun -, Meine Stunde ist noch nicht gekommen."

Doch Maria blickte Mich noch einmal an und sie wußte, sie flehte nicht vergeblich. So bereitete sie im Hintergrund mit den Dienern den Weg. Als Ich dann sprach, erfüllten sie sofort Meine Wünsche.

Nach Meiner Hilfe jedoch, machte sich Maria schnell auf den Heimweg.






Sie wohnte jetzt in einer kleinen bescheidenen Hütte - weg von Nazareth - auf dem Wege kurz vor Kapharnaum.

Hier war sie nur wenig bekannt und konnte sich in der Stille mit Mir und dem Vater vereinen.

Sie wußte, wie nötig Ich all ihre Gebete hatte, wie schwer mein Weg war, wieviel Anstoß er erregte, wieviel Unverständnis Mir entgegenprallte.

So war ihr Mutterherz stets in Sorge und Angst. Deshalb liebte sie die größere Stille um so mehr.






So kam Ich auch wieder einmal nach Nazareth, lehrte in der Synagoge, legte die Schrift aus und fügte nur diese Worte hinzu: "An Mir und durch Mich erfüllen sich die Worte des Propheten!"

Dies ließ die Herzen der Menschen versteinern. Sie erbosten sich und sie griffen zur Gewalt. Sie legten Hand an Mich, stießen Mich aus Meines Vaters Haus und zerrten Mich auf den großen Felsen vor der Stadt.

Inzwischen hatte man Maria geholt, die auch hier war.

Wie beugte sie die Angst um Mich, wie raste ihr Herz bei dem Gedanken 'Was werden sie tun?' Doch bevor sie weiter Hand an Mich legten, spürten sie plötzlich Meine Macht, spürten sie ihre Ohnmacht und Zorn bemächtigte sich ihrer. Ich wandte Mich um und schritt langsam, erhobenen Hauptes durch sie alle hindurch. Keiner rührte mehr Finger und Mund. Stille und Machtlosigkeit ruhte auf dieser Szene.

Maria erlag einer Schwäche und erholte sich nur langsam wieder. Freunde und Freundinnen standen ihr bei.

Immer wieder kehrte sie in ihr Zuhause, das viele Erinnerungen an Mich für sie barg, zurück. Hier schöpfte sie im Gebet neue Kraft und Zuversicht. Hier fand sie sich geborgen im Willen des Vaters.

Hier gab sie ihr Leben hin für Meinen Werdegang.

So fanden sich bei ihr besonders die Frauen ein, die Sorge trugen für Mich, die Apostel und Freunde und Bekannten. Sie sprach mit ihnen, erklärte ihnen Meine Bezogenheit zum Vater, setzte Richtlinien, weg vom Weltlichen, hin zu Gott.

Sie löste jeden aus der Umklammerung seiner eigenen Wünsche, aus seiner Verfallenheit an allzu irdische Probleme.

Sie wies den Weg hin zum Höheren und alle, alle gingen mit und versuchten zu schauen mit anderen Augen, zu hören mit anderen Ohren, zu fühlen mit einem liebenden Herzen. So trugen sie Frucht in ihrer Zeit.

Wie oft eilte sie uns entgegen, bewirtete uns und sann Gedanken der Ruhe, des Friedens, des Ausgleichs.

Alle, die Mich umgaben, waren in vielerlei menschlichen Wünschen beheimatet.

Sie träumten vom großen Reichtum, vom großen Einfluß und nahmen nur schwer die Realität der Armut, der Zurückgezogenheit und der Konfrontation mit den vielen Andersgesinnten an. Immer wieder kam eine Auflehnung an die Oberfläche, ein Zurückschauen in Tage der familiären Gemeinsamkeit, in die Tage der kargen Sicherheit in die große Gemeinschaft mit der ganzen Verwandtschaft.

In solchen Nöten vollbrachte Maria wahre Wundertaten.

Der Vater hatte ihr in großem Maße die Gabe der Befriedung geschenkt. So stellte sie den Vater in die Mitte und rankte Verlust und Gewinn in ihrem neuen Leben in gerechter Weise um Ihn.

Bald schon wurden ihnen die Augen für das Wesentliche geöffnet und mit Marias Hilfe traten sie ein in den Bannkreis der Liebe des Vaters.






So wurde mit der Zeit die Auflehnung gegen Mich immer größer.

Pharisäer, Schriftgelehrte, Zeloten und Essener verbreiteten Haß, Zwietracht, üble Nachrede gegen Mich.

Maria wußte um alle irrigen Gedankengänge, beschwichtigte oft und flehte unentwegt nach oben um Einheit und Hilfe.

Doch bald erkannte sie, daß die Wege des Vaters andere waren.

Feuer und Schwert brachte ihr Sohn, Entscheidung forderte Er, ein klares Ja oder Nein mußte jeder in Seiner Umgebung sprechen. 'Bist du aber lau, so speie Ich dich aus!'

Maria wußte, daß sie Mich, Mein Leben forderten, daß Ich ihnen im Wege stand, daß es keinen Weg an Meinem Opfer vorbei, gab.






So begleitete sie uns in Stille in näherer Entfernung, als Ich nach Jerusalem ging. Sie verbrachte solche Tage bei bekannten Frauen im Schutz ihrer Häuser und Familien. Sie durchlitt den Triumpfzug durch die Stadt mit.

Die Freude war bei ihr sehr verhalten, denn sie erkannte die drohende Gefahr, das kommende Unheil.

Sie ließ Mich nun keinen Tag mehr allein. Immer hielt sie Abstand und folgte, im Gebet versunken.

Wieviel hat sie an Leid von Mir gewendet durch ihr übergroßes Vertrauen! Sie war stets im Volke versteckt, ist untergegangen in der Menge.

Doch gerade hier, am Puls des Volkes, erfuhr sie den Streit der Meinungen am intensivsten. Sie erlebte jene, die treu zu Mir standen, - überzeugt durch die Erfahrungen, die sie in Meiner Nähe machten-, jene, die sklavisch den Gesetzen, all den Geboten und Verboten verhaftet waren, die keinen Buchstaben breit weichen wollten und die Liebe als Bequemlichkeit und Nachgiebigkeit verabscheuten-, jene, die klar Front gegen Mich bezogen und Mich selbst, Mein Wort, Meine Taten als gefährlich und bedrohend empfanden. Es waren ihrer viele.

Maria spürte all die Intrigen, all die Haßgespinste, all die lauernde, dämonische Gefahr.

So eilte sie Mir entgegen, als Ich von Maria, Martha und Lazarus kam und wieder - zum letzten Mal - Jerusalem zustrebte. Sie eilte auf Mich zu und bat um eine kurze Zeit für sich. Noch nie hatte sie für sich gefleht. Ich spürte ihre Not, ihre Angst, ihre tiefe Betroffenheit.

So gingen wir abseits und empfanden tief die Stille der Einsamkeit.

Sie wußte um die Bedrohung Meines Lebens. Der Vater selbst schenkte ihr die Gnade, das Opfer, Mein Opfer für die Vereinigung der Menschen mit dem Vater zu erkennen. Wir sprachen wenig.

Wir wußten, es war der eigentliche Abschied. Wir beteten in Einheit und übergaben uns beide Dem, Der uns stets fest und geborgen in seinen Händen gehalten hatte.

Wir vertrauten, sie vertraute total, auch wenn der Verstand nicht folgen konnte.

Sie umarmte Mich ein letztes, langes Mal und ließ Mich gehen in die Hölle der Welt. Sie stand, - Ich blickte Mich noch einmal um - , gebannt ihr Wesen nach Mir gewendet, gefügig, alles hingebend, was sie besaß, geleert, Mich und sich als Opfer auf die Waagschale legend.

Ja, Vater!
Nur Dein Wille soll geschehen!
Wir waren beide bereit.
Wir waren beide wissend.
Wir waren beide in Demut vereint.






Es kam der Abend, da Ich Mich selber verschenkte, es kam die Nacht, da Ich Mich selber entäußerte und eintauchte in die völlige Dunkelheit, in die angstvolle Leere, in die ausgestoßene Einsamkeit.

Ich wußte, Maria war da ... in Jerusalem, zwar in körperlicher Ferne, doch in engster geistiger Verbundenheit.

Sie wurde gepeinigt von Angst und Entsetzen.

Ihr Körper konnte diese Not kaum ertragen.

Doch sie wußte, - das war nur der Anfang.

Sie bat um Kraft und Stärke.

Der Vater gewährte es ihr, da Er sie doch selber schützte, nur teilweise.

So betete sie, wachte sie bei Tag und bei Nacht.

Begierig nahm sie alle Neuigkeiten auf und schuf sich ihr eigenes Bild, ihr eigenes Verständnis.








Die Nacht verbrachte sie bei der Familie des Kleophas. Maria kannte sie schon seit langer Zeit. Sie wohnte nahe dem kleinen Tor, das zu einem Verbindungsweg zwischen dem Palast des Pilatus und den vornehmen Häusern der reichen Juden und auch Schriftgelehrten gehörte, einem schmalen Pfad, den nur Eingeweihte kannten. Hier eilte Johannes hin und her und erforschte den Stand der Dinge. Er eilte immer wieder zu Maria und berichtete ihr.

Sie aß nicht, sie trank nicht, sie schenkte all ihre Kraft im Gebete hin. Der Morgen dämmerte. Sie eilte selbst mit den Ihren zum Palast. Erschrocken nahm sie die vielen Menschen wahr, die einen - und es waren ihrer viele - die schrien nach Gerechtigkeit, sie klagten selbst Pilatus an.

Sie nahm zwar alles mit wachem Auge an, doch ihr Geist war erstarrt.

Ihr Körper verwehrte oftmals den Halt.

Die begleitenden Frauen stützten sie, schoben sie und ließen sie ruhen.

Wie zerschnitten die Rufe ihr Herz:

'Kreuzige ihn, kreuzige ihn!'

Als Pilatus Mich vorführte, wußte Ich, daß sie Mich sah, daß sie Hilfe für Mich erwartete, daß sie unbeschreiblich litt und liebte und Leben ließ.

Ich wurde abgeführt zur Geißelung. Ihr schmaler, durchdringender Schrei hatte leblos geklungen, - doch Ich hatte ihn erkannt.

O Vater, was tust Du ihr an ! Warum muß auch sie leiden und den Kelch bis zur Neige leeren?

Nimm ihr die Lebenskraft, damit sie nicht mit vollen Sinnen dies durchleben muß!

Und der Vater schenkte Erbarmen.

Die Frauen waren mit hinuntergeeilt in den Hof, der von drei Seiten abgegrenzt war, aber an einer Seite in die nahe Straße und den Markt mündete. Hier standen sie, wehklagten, weinten, jammerten. Die Soldaten drängten sie zurück.

Doch auch aus der Ferne sah sie, Maria, viel zu viel.

Sie litt bis zur Bewußtlosigkeit.
Später führte Johannes sie weg.
Im Obergemach der Veronika schöpfte sie neues Leben.
Doch schon bald wußte sie, daß Mein Tod noch heute Mich treffen würde.

 




 Wieder raffte sie sich auf und wartete an einem Stück Meines Leidensweges. Hier wollte sie Mich nochmals sehen und Mir ihre Nähe schenken.

Sie wartete und wartete in der glühenden Hitze dieses Tages.

Doch niemand konnte sie bewegen zu weichen. Sie mußte mitleiden.

Sie stand erhöht, bis sie weit unten das Nahen des Todeszuges sah.

Sie hastete von ihrem Standort herunter, verschwand im Gewühl des herumlungernden Pöbels. Sie bahnte sich einen Weg Mir entgegen.

Jetzt stand sie gebannt am Rande.
Ich kam ganz in ihre Nähe.
Da hielt sie niemand mehr.
Sie trat hervor, mitten in den Wegund stand direkt neben Mir.

Sie konnte Mich greifen, doch tat sie es nicht.
Sie konnte zu Mir sprechen, doch sie schwieg.

Sie sah Mich an und die Sprache ihrer Augen sagte alles ..., die Tiefe ihres Leidens, das unendliche Mitgefühl, die totale Auszehrung ihrer selbst in der Hingabe an Mich.

Als Ich weiterziehen mußte, hob sie still ihre Hand zum Abschied und trat zurück ..., zusammengesunken, schmächtig, kraftlos, gebeugt.

O Vater, habe doch wenigstens mit ihr Erbarmen!







Dann trat sie wieder hervor aus der Menge am Richtplatz.

Von den Soldaten zu Pferde und zu Fuß wurde sie mit ihren Begleiterinnen immer wieder abgedrängt.

Doch sie harrte aus, sie betete, sie flehte, sie schrie um Erbarmen in Meiner Qual. Und es kamen immer wieder Boten des Vaters, die stärkten und die Not linderten. Ohne sie wäre das Ende viel früher gekommen, doch der Kelch wollte getrunken sein bis zur Neige.

Erst, als Ich erhöht am Kreuze, durften Maria, Maria von Magdala und Johannes herantreten, unmittelbar zum Kreuz. Auch hier gab es nur eine Zwiesprache im Gebet.

Ihr ganzes Wesen bebte und zitterte. Jede menschliche Kraft war aus ihr gewichen. Trotzdem - geführt und gehalten von den Geistern aus der anderen Welt - stand sie, schaute klaren Blickes zu Mir auf und verkündete Mir mit all den Fasern ihres Seins Kraft und Zuversicht.

Ich konnte ihre Gedanken erkennen: 'Der Wille des Vaters ist bald erfüllt.

Harre aus und beselige neu dieses Geschlecht und führe zusammen diese Welt mit der anderen, den Menschen mit dem Vater, den Untergang mit dem neuen Morgenrot. So wird der Friedensbogen wieder geschlossen sein und der neue Weg zur Herrlichkeit sich auftun.

Ich danke Dir - mit dem Vater - für Deine Hingabe.'

Und so kam Meine letzte Weisung für sie: Ich lasse dich nicht in Einsamkeit zurück. Nimm du jetzt an Meinen besten, treuesten Freund.

Nimm an Johannes als deinen Sohn. Und du, Johannes, dir übergebe Ich das Wertvollste, das Ich je besaß..., die Mutter, Meine Mutter. Nimm sie an als Sohn und steh' ihr von jetzt an bei auf all ihren künftigen Erden wegen.

So ließ Ich sie zurück, nicht im Elend, sondern in der Beglückung, daß der Vater Mein Opfer angenommen und gesegnet hat. Sie vertraute ihr Sein dem Vater an und ließ sich von ihm führen, wo immer Er es von ihr verlangte.







So kam der Morgen des dritten Tages und der Vater entriß Mich dem Reich der Dunkelheit.

Der Tod hatte keine Macht mehr über Mich.

Maria war die einzige, die die Erhellung des Wortes vom Vater erhielt:

"In drei Tagen werde Ich diesen Tempel wieder aufbauen."

Sie wußte, - sie erwartete voll Freude im Herzen, - und sie sah Mich aus der Ferne im strahlenden Lichte auf sich zukommen.

Sie dankte im Übermaß.




Nichts war ihr nunmehr verwehrt. Sie stand in einer dauernden geistigen, großen Verbindung zu Mir.

Sie durfte oft Meinen geistigen Körper sehen und dann war sie mit Mir in vielen Gesprächen um die Zukunft vereint. So leitete sie die Apostel, führte sie auf die rechten Wege, betete mit ihnen und stärkte sie in der Zeit der Erwartung. Sie alle lebten aus den wenigen Begegnungen. Sie waren enttäuscht nach Meinem Heimgang zum Vater.

Erst Maria öffnete ihnen die Sinne für den Geist des Vaters und des Sohnes. Erst Maria öffnete ihre Herzen, auf daß sie sehnsuchtsvoll ihren neuen Tröster und Beistand erwarteten.

Erst Maria ließ sie voll Zuversicht in die kommende Zeit ihres Lebens blicken, vereint mit dem ewig Belebenden.

So schlossen sie sich immer dichter um Maria zusammen, hörten auf ihr Wort und erkannten die Weisheit ihrer Worte.

Von dem Tag der Geistsendung an, trat sie zurück.

93Sie hatte ihre Aufgabe erfüllt. Sie hatte die Wege geebnet.

Nun schloß sie sich dicht an Johannes an, begleitete ihn auf seinen Wegen, sorgte für ihn und seine Umgebung.

Sie war alt geworden durch Leid und Schmerz. So zog sie sich immer mehr von allen Menschen zurück und lebte nur in der äußersten Zurückgezogenheit.

Johannes verstand ihren Wandel und umhütete sie mit all seiner Liebe.

Als Johannes begann, seine Gedanken in Worte zu fassen, all seine Erlebnisse aufzuschreiben, da nahm sie großen Anteil an allem, was ihren Sohn betraf.

Noch einmal durchlebte sie mein Leben, durchlitt sie all Meine Schmerzen, durchstand sie ihre Marter bis zu Meinem Gang zum Vater. —

Dann aber war auch ihre Zeit gekommen. Zurück von der Insel Patmos, lebten beide in der Stille der Wälder von Ephesus. Maria war kaum noch von dieser Erde. Sie war auf dieser Erde bereits so durchgeistigt, daß sie der Vater mit all ihrem Sein zu sich erhob.

Nun waren wir für immer vereint.

Danke, Vater, für die große Liebe, die Du ihr zuteil werden ließest.

Maria war vom Beginn ihres Lebens an herausgehoben aus dieser Erde und über alle gestellt. Es gab keinen Menschen, dem eine größere Gnadenflut zuteil wurde.

Es gab aber auch keinen Menschen, der so ins Tiefste hinein Sünde und Schuld der Welt erkannte, der sich selbst neben den Sohn stellte und sich selbst preisgab zur Miterlösung für diese Welt.

So bist du, Maria, das Kleinod dieser Erde und der Schatz des Himmelreiches. Als Mensch auf dieser Erde war deine Aufgabe getan.

Als Königin des Himmels übernahmst du Sorge und Aufgabe für die Zukunft, solange Menschen dich anrufen werden.

Du wirst bitten und schenken und verteilen. Keinen, der zu dir fleht, entläßt du ohne Gabe. So erbarme dich, du Himmelsfürstin, dieses Geschlechtes und führe Menschen und Schöpfung einer heilen Welt zu.